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Erfolgreiches Projekt „KlimawandelAnpassungsCOACH_RLP“ an der Südlichen Weinstraße: Stiftungsvorsitzender Ritter übergibt Abschlussbericht an Landrat Seefeldt

15.07.2019

Ein Jahr lang hat sich der Landkreis Südliche Weinstraße im Rahmen des Projekts „KlimawandelAnpassungsCOACH_RLP“ zu den Auswirkungen des Klimawandels coachen lassen. Nun fand im Kreishaus das Abschlussgespräch statt, bei dem der Vorsitzende der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V., Hans-Joachim Ritter, und der wissenschaftliche Mitarbeiter Christian Kotremba den Abschlussbericht an Landrat Dietmar Seefeldt übergeben haben. Der Landrat lobte die erfolgreiche Arbeit und sicherte zu, die in den Workshops priorisierten Maßnahmen mit Hilfe eines Klimaschutzmanagers umzusetzen.

Der Landkreis Südliche Weinstraße war eine der ersten fünf Modellkommunen des Projektes „KlimawandelAnpassungsCOACH_RLP“. Im Zeitraum Mai 2018 bis Juni 2019 fanden drei Workshops zu ausgewählten Handlungsfeldern der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) in der Kreisverwaltung statt.
Im Dialog mit Mitarbeitern der Kreisverwaltung und Externen wurden Klimaanpassungsmaßnahmen unter anderem zu den Handlungsfeldern menschliche Gesundheit, Land- und Forstwirtschaft, Weinbau, Bauwesen, Tourismus sowie Bevölkerungs- und Katastrophenschutz ausgearbeitet. Neben den Workshops wurden durch den Klimawandelanpassungscoach Christian Kotremba Klimawirkungsanalysen zu klimawandelinduzierten Risikofaktoren, wie Bodenerosion, Spätfrostgefährdung, Hitze und Starkniederschläge sowie eine regionale Analyse des Klimas für die Vergangenheit, den Ist-Zustand und für die Zukunft durchgeführt.

„In Rheinland-Pfalz und insbesondere in der Süd- und Vorderpfalz sind die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Mittlerweile vergeht kein Jahr ohne extreme Wetterereignisse, dies hat auch die anhaltende Hitze im Juni gezeigt. Die Temperaturen sind im Landkreis Südliche Weinstraße seit 1880 bis heute um ca. 1,6 °C angestiegen. Mit der Teilnahme an dem Projekt leisten wir einen wichtigen und notwendigen gesellschaftlichen Beitrag, denn Klimaschutz geht uns alle an und die vorsorgende Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels ist im Sinne der Daseinsvorsorge unabdingbar“, appelliert Landrat Dietmar Seefeldt.

Beim Abschlussgespräch führte Christian Kotremba (Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V.) aus, dass das Jahr 2018 mit Abstand das wärmste Jahr seit der regelmäßigen Aufzeichnung des Wetters gewesen sei und die fünf wärmsten Jahre alle seit 2007 verzeichnet wurden.

„Bei den Jahresniederschlägen zeigt sich kein signifikanter Trend einer Zu- bzw. Abnahme, auffallend sind hingegen die Verstärkung der Niederschläge in Form von Starkregen sowie eine Zunahme der Winterniederschläge bei gleichzeitiger Abnahme der Sommerniederschläge. Wir gehen davon aus, dass die Temperaturen im Oberrheingraben weiter ansteigen und gegen Ende des 21. Jahrhunderts um 2,5° bis 6°C gegenüber Ende des 19. Jahrhunderts liegen. Hinzu kommt ein Anstieg von Hitzetagen und Tropennächten, welche die klimatische Situation im heute schon hitzegeplagten Oberrheingraben weiter verschärfen werden. Aufgrund der höheren Temperaturen ist von einer Zunahme an Starkregen auszugehen. Hitzewellen werden länger andauern und vermehrt zu Trockenheit und Dürre führen“, betont der Vorsitzende der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V., Hans-Joachim Ritter.

Aus den durchgeführten Workshops resultierten 11 Vorschläge zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, welche in Maßnahmensteckbriefen ausgearbeitet wurden. Sie können im Abschlussbericht des Projektes bzw. im Klimawandelinformationssystem Rheinland-Pfalz (kwis-rlp) unter http://www.kwis-rlp.de/de/anpassungsportal/projekte-kommunen-und-unternehmen/klimawandelanpassungscoach-rlp eingesehen werden.
Zu den Schlüsselmaßnahmen zählen die Institutionalisierung eines Klimaanpassungsmanagements, also die Betreuung eines oder mehrerer Mitarbeiter mit Aufgaben zur Klimaanpassung bzw. die Neuanstellung eines Klimaschutzmanagers, der sich gezielt mit Aufgaben zur Klimaanpassung auseinandersetzt. Weitere Maßnahmenvorschläge stellen die Entwicklung einer Kreis-App mit Hintergründen zum Klimawandel und wichtigen klimawandelrelevanten Themen für den Bürger, eine Ausstellung zum Klimawandel in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung, die Ausweisung eines Schattenweges, die Erstellung eines Gründachkatasters zur Beschreibung der Dachbegrünungspotentiale öffentlicher und privater Gebäude sowie Anpassungsmaßnahmen im Bereich Bevölkerungs- und Katastrophenschutz dar.

Im Laufe des Coachings wurden bereits zwei Maßnahmenvorschläge durch die Kreisverwaltung umgesetzt. Die Informationsveranstaltung zum Thema „Weinbergbegrünungen – Möglichkeiten der Gründüngung und Bodenpflege“ am 4. April 2019 in der Kreisverwaltung ist auf große Resonanz gestoßen. In einer weiteren Informationsveranstaltung wurde das Thema „Mückenübertragbare Infektionskrankheiten im Zuge des Klimawandels“ beleuchtet. Die Veranstaltung, die sich in erster Linie an Einsatzkräfte, Rettungsdienste und Hausärzte richtete,
wurde durch die Gesundheitsämter der Landkreise Germersheim, Südliche Weinstraße und Bad Dürkheim in Neustadt an der Weinstraße initiiert.

„Durch das Coaching konnten die ersten Grundlagen für eine erfolgreiche Anpassung des Landkreises an die Folgen des Klimawandels geschaffen werden. Für die Zukunft sollte das Ziel sein, die Maßnahmenvorschläge in der Praxis umzusetzen, die Klimaanpassung in Verwaltungsabläufen zu verstetigen, Leitbilder zur Klimaanpassung festzusetzen sowie einen Klimaanpassungsfahrplan unter Berücksichtigung der Öffentlichkeitsarbeit auszuarbeiten“, resümierte Landrat Dietmar Seefeldt und griff die Maßnahmen für die Zukunft auf.

Hintergrund:
Das Projekt „KlimawandelAnpassungsCOACH RLP“ wird von der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V. geleitet, Kooperationspartner im Projekt ist das Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen. Das Projekt verfolgt in einer 3-jährigen Projektlaufzeit das Ziel Kommunen und Landkreise in Rheinland-Pfalz bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie bei der Integration des Themas in Verwaltungsabläufe zu beraten und zu unterstützen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

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