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Gleichstellungsbeauftragte Barbara Dees legt Dreijahresbericht vor

10.09.2019

Im Rahmen der Sitzung des Kreistages hat die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Südliche Weinstraße, Barbara Dees, ihren Dreijahresbericht vorgestellt. Ein wesentlicher und sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit im Frauenbüro ist es unter anderem, Frauen in Krisensituationen zu beraten. Sehr häufig geht es um Probleme in der Partnerschaft, die Trennung vom Partner oder um von Gewalt bedrohte Frauen. Häufig haben die Persönlichkeiten, die eine Beratung in Anspruch nehmen, auch große finanzielle Probleme. „Insgesamt kann man sagen, dass die Frauen mit ganz unterschiedlichen Frage- und Problemstellungen zu Beratungsgesprächen in das Frauenbüro kommen. Wir sehen uns als erste Anlaufstelle für Frauen, egal welcher Schuh drückt“, fasste Barbara Dees zusammen. Rund 242 Beratungen führte das Frauenbüro in den letzten drei Jahren bei 145 Frauen durch.

Die Schutzwohnung ist in diesen Beratungszahlen allerdings nicht aufgeführt. Eine Aufnahme kann aber immer erst nach einem ausführlichen Vorgespräch im Frauenbüro erfolgen, um sicher zu stellen, dass die schutzsuchende Frau in der Lage ist ihr Leben in der Schutzwohnung alleine zu meistern. Charlene Pfalzgraf ist ehrenamtlich für die Schutzwohnung zuständig, sie kümmert sich um die Frauen und steht in engem Kontakt zum Frauenbüro. Grundsätzlich können in die Schutzwohnung des Landkreis SÜW nur Frauen aus dem Landkreis aufgenommen werden, da es sich um eine freiwillige Einrichtung des Landkreises handelt. Auch eine Notaufnahme ist nicht möglich - hierfür sind die 16 Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz zuständig. Insgesamt fanden im Berichtszeitraum zehn Frauen mit ihren acht Kindern in der Schutzwohnung Zuflucht.

Frau und Kultur: Brot und Rosen
Jedes Jahr wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert. Auch in 2016, 2017 und 2018 wurden vom Frauenbüro in Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten der Region und mit vielen Kooperationspartnern wieder rund um diesen Tag verschiedene Veranstaltungen in der Reihe „Brot und Rosen“ angeboten. Fast alle Angebote waren ausgebucht. „Mit den Frauenwochen Brot und Rosen ist es uns zum Glück möglich, viele verschiedene Frauenthemen rund um den 8. März anzusiedeln und somit auch gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnerinnen ein breites, nicht konkurrierendes, Programm anzubieten“, so Dees. In den drei Berichtsjahren bot das Frauenbüro SÜW insgesamt 16 Veranstaltungen an. Ebenso wurden in den Berichtsjahren verschiedene Frauenfahrten durchgeführt.

100 Jahre Frauenwahlrecht 1918 – 2018
Die Errungenschaft des Wahlrechts für Frauen legte vor 100 Jahren einen wichtigen Grundstein für die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Aufgrund aktueller Debatten um die Grundwerte unserer Gesellschaft hatte das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Jahr 2018 eine besondere Bedeutung.
Die Gleichstellungsbeauftragten der Region boten in diesem Rahmen eine Veranstaltungsreihe an, die vom 25. Oktober 2018 bis 19. Januar 2019 durchgeführt wurde. In dieser Reihe bot das Frauenbüro SÜW zwei Veranstaltungen an.

Frau und Beruf
Die Beratung von Frauen in verschiedenen beruflichen Lebensphasen ist ein Teil der Arbeit des Frauenbüros. Das Frauenbüro SÜW legt einen inhaltlichen Schwerpunkt der Gleichstellungsarbeit auf das Thema finanzielle Sicherheit und berufliche Orientierung von Frauen. So wurden in den letzten Jahren viele Veranstaltungen des Arbeitskreises „Frauen und Mädchen am Arbeitsmarkt“ rund um die Existenzsicherung und die berufliche Situation von Frauen angeboten. Ebenso wurden rund um das Thema „Existenzsicherung“ Beratungen durchgeführt.

Equal Pay Day
Auch an Aktionen zum Equal Pay Day war das Frauenbüro beteiligt. Das Datum des Aktionstages (in 2016 am 19. März, in 2017 und 2018 jeweils am 18. März) markiert den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssten, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Deutschland belegt laut Eurostatistik von insgesamt 28 verglichenen Ländern den 26. Platz. „Es bleibt die Forderung an die Bundespolitik endlich ein Entgeltgleichheitsgesetz einzuführen. Dies wäre ein wichtiger Schritt in Richtung sozialer Gerechtigkeit“, betonte Dees. So könnte Altersarmut - von der Frauen am häufigsten betroffen sind - entgegengewirkt werden. Brüchige Arbeitsbiografien zugunsten von Kinderbetreuungs- und Pflegezeiten wirken sich ebenso auf die Altersarmut speziell bei Frauen aus.

Häusliche Gewalt
Jede vierte Frau ist in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt in engen sozialen Beziehungen betroffen. Das Netzwerk „STOPP - Interventionsprojekt gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern in der Südpfalz“ hat sich zur Aufgabe gemacht ein enges Netzwerk verschiedener Institutionen zu knüpfen und das Thema häusliche Gewalt zu enttabuisieren. STOPP wird von den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Landau und der Südlichen Weinstraße koordiniert. Neben zwei Plenen wird in jedem Jahr eine große Veranstaltung oder eine andere Aktion durchgeführt, um das Thema in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) wird deshalb beispielsweise auch in der Kreisverwaltung wie und in allen Verbandsgemeinden des Landkreises die Fahne: „Nein zu Gewalt an Frauen – frei leben ohne Gewalt“ gehisst. Dies ist ein wichtiges Symbol für die Ächtung von Gewalt gegen Frauen und ein starkes Zeichen der Solidarität für betroffene Frauen.

WUTMANN Projekt
Das in 2013 initiierte STOPP Projekt „Der Wutmann“ hat das Frauenbüro an vielen Schulen im Landkreis etabliert. Mit Hilfe der Schulsozialarbeiter aus SÜW, sowie vielen ehrenamtlichen Helferinnen des Frauenbüros und der Polizei konnten bereits über 3.500 Schülerinnen und Schüler und über 100 der Lehrkräfte der Unterstufe erreicht werden. In zwei Schulstunden wird das Projekt in den 6. Klassen durchgeführt. Grundsätzlich geht es darum die Kinder für die Themen psychische und physische Gewalt zu sensibilisieren. „Die Kinder sollen erkennen, dass Gewalt nie in Ordnung ist und sie sollen wissen wo sie Hilfe finden können. Ebenso soll ihnen verdeutlich werden, dass sie keine Schuld haben, wenn sich die Eltern schlagen oder sich trennen“, erläuterte Barbara Dees. „Denn die Kinder, die heute Häusliche Gewalt miterleben müssen, können die Täter beziehungsweise Opfer von morgen sein“.
Seit Beginn konnten so insgesamt über 3.500 Schülerinnen und Schüler sowie mehr als 150 Lehrkräfte der Unterstufe mit dem Wutmann erreicht werden, um wertvolle, präventive Arbeit in den Schulen des Landkreises zu leisten.
Insgesamt ist das Frauenbüro an einer Vielzahl von Projekten und Aktionen beteiligt.
Einstimmig lobten die Fraktionen des Kreistages die herausragende Arbeit des Frauenbüros und dankten Barbara Dees und ihren Kolleginnen für ihr Engagement.

Der Bericht der Gleichstellungsbeauftragten kann auf der Homepage des Landkreises über www.suedliche-weinstrasse.de nachgelesen werden.

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