Nach dem Unwetter: Sorge um die Weinernte – Zuschüsse für Ernteversicherungen jetzt beantragen


Knapp vier Wochen später, angesichts der bevorstehenden Weinlese, ist Zeit für einen Rückblick auf die Ereignisse: Landrat Dietmar Seefeldt hat sich gemeinsam mit Karl-Friedrich Junker, SÜW-Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, in Schweighofen im Familienbetrieb von Birgit und Stefan Fischer informiert, auch über den neuen Jahrgang, der in diesem Betrieb trotz Unwetters teilweise gekeltert wird.

„Vieles wirkt in der Unwetterregion inzwischen schon wieder aufgeräumt. Dafür danke ich allen, die mit großem Einsatz geholfen und angepackt haben“, betont Landrat Dietmar Seefeldt. „Doch die Folgen des Unwetters wirken weiter nach – besonders für unsere landwirtschaftlichen Betriebe, zum Beispiel im Bereich Mais- oder Zuckerrüben sowie im Obst- oder Weinbau. Umso wichtiger ist es, unsere regionalen Betriebe jetzt zu unterstützen. Deshalb möchte ich auch an die Bürgerinnen und Bürger appellieren: Greifen Sie beim nächsten Einkauf bewusst zu Produkten aus unserer Region.“

Zerstörerisches Unwetter
Im und ums Weingut der Familie Fischer in Schweighofen hatten Sturm und Hagel eine Welle der Zerstörung hinterlassen: kaputte Rollläden, verbeulte Autos, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer. Manches, wie durch Hagel abgeschlagene Lasuren an Türen, habe man erst in den Tagen nach dem Unwetter richtig gesehen, berichten Birgit und Stefan Fischer weiter. Doch der größte Schaden sei in den Weinbergen entstanden: Umgefallene Rebzeilen, zerrissene Drähte, selbst Endpfähle aus Eisen, die die Zeilenenden im Boden verankern, waren von der Naturgewalt zerdrückt worden. Die Rebstöcke wurden teils vollständig entlaubt – der Großteil der kostbaren Beeren zerstört.

Bei einem Unwetter 2018 war das Weingut bereits mit einigen Flächen in Oberotterbach betroffen, dieses Jahr wurden unglücklicherweise alle Flächen dieses Betriebs getroffen. „Wir haben keinen Weinberg, der nichts hat. Etwa 60 Prozent unserer Flächen werden dieses Jahr wohl gar keinen Ertrag bringen“, berichtet Birgit Fischer. Besonders schmerzhaft: Alle Sauvignon-Anlagen des Weinguts Fischer – eine der wenigen Sorten, die der aktuellen Absatzkrise auf dem Weinmarkt trotzen – hat es ausnahmslos erwischt. Viel Grün sei aber bereits wieder nachgewachsen. Mitten im Sommer haben vom Sturm entlaubte Stöcke angefangen, neu auszutreiben, erzählt die Ehefrau. Neue Trauben wachsen allerdings erst frühestens im nächsten Jahr – und an den stark beschädigten Anlagen möglicherweise auch 2027 noch in reduzierter Anzahl.

Karl-Friedrich Junker, SÜW-Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., hält nach dem Bericht der Familie Fischer fest: „Wir sind als Bauern und Winzer von der Natur abhängig, das hat sich bei diesem Unwetter extrem gezeigt. Insgesamt denke ich, dass die Bevölkerung noch aufmerksamer dafür werden kann, wie stark diese Abhängigkeit ist.“ Er fügt hinzu: „Da die Erwerbssituation für die landwirtschaftlichen Betriebe derzeit ohnehin angespannt ist – die Preise für Mais, Weizen, Zuckerrüben, Wein sind niedrig und Rücklagen sind in vielen Betrieben aufgebraucht – wirken sich Sonderereignisse wie solch ein Unwetter umso gravierender aus.“

Von Fluch und Segen einer Ernteversicherung
Weinbau-Betriebe können sich mit einer sogenannten Ernteversicherungen schützen, für die es öffentliche Fördermittel gibt. Ausgerechnet dieses Jahr hatten die Fischers jedoch auf eine solche Versicherung verzichtet. „Ich habe leider mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Schäden auf einem größeren Stück mit Apfelbäumen hatte meine Versicherung nicht gezahlt. Und als ich mehrmals hintereinander Hagelschaden anmelden musste, flog ich aus der nächsten Versicherung wieder heraus“, berichtet Stefan Fischer. „Bei den aktuellen Fasswein-Preisen sparen die Weinbau-Betriebe eben überall“, ordnet die Familie die Entscheidung, die Versicherung zu kündigen, ein. Im Juni hatte das Ehepaar Fischer noch darüber gesprochen, die gekündigte Mehrgefahrenversicherung wieder abzuschließen, um doch ruhiger zu schlafen. Dann kam das verheerende Unwetter. Fürs nächste Jahr werden sich Fischers wieder versichern, wie sie berichten.

Zuschüsse noch bis 30. September bei der Kreisverwaltung beantragen
Winzerinnen und Winzer können 2026 von höheren Zuschüssen für ihre Ernteversicherungen profitieren. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Prämien für sogenannte Mehrgefahrenversicherungen (MGV) mit 50 Prozent und erhöht zugleich den maximalen Förderbetrag von bisher 200 Euro auf 250 Euro je Hektar versicherter Rebfläche. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Versicherung mindestens die Risiken Hagel und Frost abdeckt und die Versicherungsprämie bis zum 30. September bezahlt wird. Gefördert wird höchstens die in der Weinbaukartei hinterlegte Rebfläche.

Antragsformular, Förderrichtlinie und Ausfüllhinweise stehen auf der Förderseite des Ministeriums für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten zum Download bereit (https://mlwuf.rlp.de/themen/weinbau/foerderung/ernteversicherungen-im-weinsektor-mehrgefahrenversicherung). Die Antragsunterlagen müssen spätestens bis zum 30. September bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße eingereicht werden. Die Auszahlung der Förderung erfolgt im Frühjahr 2027 auf Grundlage der endgültigen Daten der Weinbaukartei 2026.

Die aktuelle EU-Förderperiode läuft Ende 2027 aus. Wie die Förderung von Ernteversicherungen danach ausgestaltet wird, ist laut Mitteilung des Landes Rheinland-Pfalz derzeit noch offen, da die Verhandlungen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union noch nicht abgeschlossen seien. „Weinbaubetriebe sollten diese Unsicherheit bei ihren Planungen für das betriebliche Risikomanagement berücksichtigen“, so schreibt das Weinbauministerium.

Auf dem richtigen Weg.