Gemeinsam appellieren SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt, Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler, Christian Burkhart, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels, Annweilers Stadtbürgermeisterin Carmen Winter, sowie Dekan Volker Janke an die Evangelische Kirche der Pfalz, speziell an die Mitglieder der Landessynode: „Bekennen Sie sich zu Ihrer Verantwortung für die Schule! Sie ist eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum der Pfälzerwald-Region. Die kirchliche Trägerschaft ist sinnvoll, möglich und bezahlbar.“ Bisher sei die Kirche noch relevanter Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Region und der Stadt Annweiler und setze sich mit dem ETGA erkennbar für solidarische Werte und Zusammenhalt ein. Die Schule präge zahlreiche junge Menschen und wirke in die Stadt und Region hinein.
„Zuschusstechnisch sind wir seitens des Landkreises bis an die Grenzen des Machbaren gegangen, wir haben unsere Zusagen auf einen Zuschuss zu dem schulbetriebsbedingten Sachkostendefizit freiwillig von bisher 300 Euro pro Schülerin und Schüler – mit Wohnort im Landkreis Südliche Weinstraße – und Jahr, auf bis zu 1000 Euro mehr als verdreifacht“, erinnert Landrat Dietmar Seefeldt. Im Rückzug der Evangelischen Kirche der Pfalz gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Polarisierung sehe er ein fatales Zeichen.
Die Schule als wichtiger Teil der Bildungslandschaft
Das Trifels-Gymnasium Annweiler wurde 1958 von der Evangelischen Kirche der Pfalz gegründet, unter anderem, um höhere Bildung auch im eher abgelegenen, ländlichen Raum rund um Annweiler zu ermöglichen. Das Profil der Schule zeichnet sich unter anderem durch musikalische und künstlerische Schwerpunkte aus. Das Kirchliche zeigt sich zum Beispiel darin, dass Schülerinnen und Schüler am Annweilerer Gymnasium das Fach „Religion“ nicht abwählen können, Schul-Gottesdienste fester Bestandteil im Verlauf des Schuljahres sind, die Lehrkräfte einer christlichen Kirche angehören müssen und weitere spirituelle Angebote als Einladung an die Schulgemeinschaft bestehen. Das Profil der Schule ist gefragt, was die kontinuierlich hohen Anmeldezahlen belegen.
Die Trägerschaft
Die Entscheidung über den Verbleib des Gymnasiums in kirchlicher Trägerschaft wird demnächst im Kirchenparlament der Evangelischen Kirche der Pfalz demokratisch getroffen werden. Basis der Entscheidung in der Sitzung ist die Vorlage der Landeskirche, in der von 1 bis 1,5 Millionen Euro jährlicher Kosten für die Schule die Rede ist. Diese Kosten sieht eine engagierte Arbeitsgruppe oder „Task-Force“ auf Grundlage der Empfehlungen der Agentur Zielgenau, Darmstadt, jedoch als deutlich zu hoch an. Ein entsprechender Antrag mehrerer Synodaler, unter anderem vom Landauer Dekan Janke, liegt den Entscheidern ebenfalls vor. Der im Antrag skizzierte Lösungsweg sieht unter anderem vor, den Zuschuss der Evangelischen Kirche für die Schule künftig auf 500.000 Euro im Jahr zu begrenzen, die Schule zehn weitere Jahre zu betreiben, zeitnah einen Übergang in eine andere kirchliche Trägerschaft zu regeln, zum Beispiel eine Stiftung oder gGmbH, sowie die Gebäude und das Grundstück in prominenter Lage auf dem Annweilerer Bannenberg an den neuen Träger zu übergeben. Darüber hinaus soll laut Antrag auf dem weitläufigen Schulgelände, zu dem zahlreiche ungenutzte, frühere Internatsgebäude gehören, ein sozialdiakonischer Bildungscampus etabliert werden, zum Beispiel mit Einrichtungen der Jugendhilfe. Ein professionelles Fundraising, etwa auch mit einem freiwilligen Elterngeld, sollte parallel aufgebaut werden. Die Lösung beinhaltet auch ein Ausstiegsszenario: Sollte der Zuschussbedarf fünf Jahre in Folge die 500.000 Euro übersteigen, soll die Kirche aus der Schulträgerschaft ausscheiden.
Die Schulleitung hatte sich ebenfalls mit einer differenzierten Stellungnahme zu Wort gemeldet und aufgezeigt, dass der Zuschussbedarf ans ETGA unter Einbeziehung aller Kosten von rund 438.000 Euro im Jahr 2026 jährlich reduziert wird – bis 2029 auf knapp 315.000 Euro. „Vor diesem Hintergrund erscheint es aus heutiger Sicht realistisch und verantwortbar, dass das ETGA künftig mit einem kirchlichen Zuschuss in Höhe von maximal 0,5 Mio. € dauerhaft fortgeführt werden kann“, so die Schulleitung.
