
Wache Köpfe statt Nachrichtenmüdigkeit
Obwohl das neue Jahr erst wenige Tage alt ist, hielt es doch schon schwere Nachrichten-Kost bereit, so Landrat Dietmar Seefeldt. Viele würden angesichts der Weltlage einfach das Handy weglegen oder die Nachrichten ausschalten. „Ich appelliere an Sie: Bitte schalten Sie nicht ab! Bitte werden Sie nicht müde, das Weltgeschehen sowie die lokalen Ereignisse zu verfolgen. Denn unsere Gesellschaft braucht wache Köpfe und kritische und vor allen Dingen konstruktive Zeitgenossen, jetzt mehr denn je“, betonte der Landrat. Er stellte mit der Kultur, dem Sport und dem Wein drei Ressourcen in den Mittelpunkt – „Kraftquellen oder Lebenselixiere könnte man auch sagen“ – die an der Südlichen Weinstraße „auch in schweren Zeiten stark, wach, resilient machen“. Dabei gehe es nicht um Ablenkung vom Alltag, sondern wieder aufnahmefähig für die Welt zu werden.
Für den Bereich Sport würdigte der Landrat das Engagement des Offenbachers Andreas Gensheimer, der dieses Jahr zum fünften Mal das Radrennen „Großer Preis der Südlichen Weinstraße“ mit Start und Ziel am Deutschen Weintor organisiert. Außerdem ist Gensheimer 1. Vorsitzender des RV Vorwärts 1904 Offenbach/Queich e.V., und als angesehener Kampfrichter im Bahn-Radsport international im Einsatz, unter anderem beim vergangenen Weltcup in Australien oder bei Olympia in Paris.

Für den Bereich Kultur stellte der Landrat das Engagement von Barbara und Professor Dr. Konrad Stahl aus Edenkoben vor. Sie gaben der Kunst in ihrem Anwesen, dem Herrenhaus Edenkoben, fast 40 Jahre lang ein Zuhause. Von 1987 bis 2025 wurden jedes Jahr sechs Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Musik, Literatur und bildender Kunst aus verschiedenen Nationen zu einem fünfmonatigen Aufenthaltsstipendium eingeladen. „Die Kunst gehört inzwischen zur DNA unseres Landkreises, dazu haben Sie ganz entscheidend beigetragen“, dankte Seefeldt den beiden für ihr großes Engagement.
Professor Dr. Reinhard Töpfer aus Annweiler stellte der Landrat für den Bereich Wein ins Rampenlicht, genauer gesagt für dessen herausragende Leistungen und Verdienste um die Rebenzüchtung. „Der Wein prägt unseren Landkreis in vielfältiger Weise, auch hinsichtlich der Kulturlandschaft, des Tourismus und unserer Pfälzer Lebensart. Sie zeigen mit den PiWis einen Weg auf, wie an den Klimawandel angepasster Weinbau in Zukunft aussehen kann“, betonte Seefeldt gegenüber Töpfer. Der Professor hatte bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2024 jahrzehntelang die Forschung und Züchtung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PiWis) im Julius-Kühn-Institut auf dem Geilweilerhof in Siebeldingen geprägt.
Den Landkreis gestalten
Landrat Dietmar Seefeldt blickte im zweiten Teil seiner Ansprache auf ein intensives Jahr 2025 zurück und gab einen Ausblick auf Themen, die 2026 im Fokus stehen werden: unter anderem die Kreishaus-Sanierung, die massiven Auswirkungen einer neuen Landesverordnung im Bereich Katastrophenschutz, die das Ende der interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Landau bedeuten würde, und die Ganztagsangebote an Grundschulen. Seefeldt mahnt auch die desaströse Unterfinanzierung der kommunalen Ebene an: „Wir können nicht mehr – nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil uns die Mittel schlichtweg fehlen.“ Die kommunale Ebene übernehme in Deutschland den Großteil der öffentlichen Aufgaben, sei Keimzelle der Demokratie und die Stelle, wo die Menschen mit dem Staat in Kontakt kämen – erhalte zugleich aber nur rund 15 Prozent des Steueraufkommens. „Wenn kommunale Gestaltungsspielräume verloren gehen, wird Vertrauensverlust folgen. Wir brauchen dringend Gestaltungsmöglichkeiten, sonst sind wir auf der kommunalen Ebene überflüssig.“
Doch die Südliche Weinstraße sei geprägt von „engagierten Menschen und starken Ressourcen, die uns Kraft geben“, schloss der Landrat. „Bleiben Sie wach, bleiben Sie kritisch, verzagen Sie nicht. Auf ein frohes neues Jahr 2026!“
Die Weinhoheiten der Südlichen Weinstraße, Johannes Keller und Klaudia Göpel, sowie die Pfälzische Weinprinzessin Susanna Singer überbrachten ebenfalls ihre besten Wünsche für das neue Jahr.

Viele trugen bei
Bei allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben, dankte Seefeldt abschließend insbesondere der Ortsgemeinde Essingen für die Gastfreundschaft, den Weingütern Doppler-Hertel (Essingen), Glas (Essingen), Wachner (Offenbach), Acuntius (Bornheim) und Hainbachhof (Hochstadt), der Freiwilligen Feuerwehr für die Verkehrsregelung, dem DRK Offenbach für den Sanitätsdienst, dem Teenietreff Essingen für die Garderobe, der Verbandsgemeindeverwaltung Offenbach an der Queich für den Shuttle-Bus, dem Service-Team der Kreisverwaltung und Organisator Heiko Pabst, den Gaumenfreunden um Alexander Kurz fürs Catering, dem Blumenhaus Trauth aus Herxheim, Claus Becker, Obermeister der Bäcker-Innung Pfalz-Rheinhessen, fürs Neujahrsbrezel, der Kissel-Stiftung, die das Kreisjugendorchester und die Kreismusikschule großzügig unterstützt, sowie an das KJO unter Jochen Schnepf für das Konzert.
