„Derzeit sind wir bei der Pflege im Landkreis Südliche Weinstraße noch vergleichsweise gut aufgestellt“, resümierte Landrat Dietmar Seefeldt anschließend. „Ausruhen dürfen wir uns jedoch nicht. Pflege ist ein Thema, das in jedem Gremium auf die politische Agenda gehört.“ Er appellierte insbesondere auch an die Ortsgemeinden im Landkreis, gemeinsam Pflege und das Schaffen von lokalen Angeboten sowie Einrichtungen in den Blick zu nehmen. „Das Demografie-Referat der Kreisverwaltung unterstützt Ortsgemeinden, die entsprechende Projekte gemäß den örtlichen Gegebenheiten auf den Weg bringen wollen.“
Viel mehr Kräfte notwendig
Auch auf den Fachkräftemangel in der Pflege ging Heike Neumann in ihrem Vortrag ein. Neue Kräfte würden sowohl deswegen benötigt, weil mehr und mehr Pflegebedürftige prognostiziert seien – bis 2040 knapp 24 Prozent plus – als auch weil ein größerer Anteil der bestehenden Pflegekräfte in eineinhalb Jahrzehnten selbst ein Alter erreicht habe, in dem Pflege eine Rolle spiele. „Bis 2040 werden knapp 90 Prozent des derzeitigen Beschäftigtenstandes neu benötigt.“
SÜW älter und fitter als andernorts
Zum Stichtag waren im Kreis SÜW 7,3 Prozent der Bevölkerung 80 Jahre oder älter – was im Vergleich zum Landesdurchschnitt (7,1 Prozent) einen leicht überdurchschnittlichen Anteil Hochaltriger bedeutet. Während der Landkreis Südliche Weinstraße also anteilig mehr Ältere als im rheinland-pfälzischen Durchschnitt aufweist, gibt es hier mit statistischen 64,9 Personen, die Pflegeleistungen bedürfen, pro 1000 Einwohner zugleich weniger Pflegebedürftige als in anderen Landkreisen (Durchschnitt der Landkreise: 66,5 Pflegebedürftige pro 1000 Einwohner).
Man hilft sich
Überdurchschnittlich oft werden pflegebedürftige Menschen an der SÜW in den eigenen vier Wänden versorgt: 92,8 Prozent aller, die im Kreis SÜW Pflege brauchen, leben zuhause. Im Schnitt der anderen Landkreise im Land sind dies nur 86,7 Prozent. Ambulante Dienste werden verhältnismäßig seltener genutzt als andernorts, nur von 16,6 Prozent der Pflegebedürftigen an der SÜW. Pflege im Landkreis wird überdurchschnittlich häufig ohne professionelle Unterstützung geleistet. 4770 Menschen, das sind 65,1 Prozent aller, die im Kreis SÜW Pflege brauchen, werden rein durch die eigenen An- und Zugehörigen betreut.
Obwohl der Anteil von Menschen mit ambulanten Pflegeleistungen im Berichtszeitraum nicht so stark gestiegen ist wie der Anteil der Pflegebedürftigen allgemein, wuchs der Sektor der ambulanten Dienste in absoluten Zahlen doch beträchtlich. Das zeigen auch die Beschäftigtenzahlen: Zwischen 2019 und 2023 sind rund 50 Vollzeitstellen in der ambulanten Pflege auf Gebiet des Landkreises SÜW dazugekommen. Ein wachsender Bereich ist auch die Tagespflege.
Ausblick
„Die Stärkung und Entlastung pflegender Angehöriger bleibt eine der zentralen Aufgaben in unserem Landkreis“, so Heike Neumann am Ende ihres Berichts. Auch die bereits schon vor Jahren im Landkreis initiierten Angebote im Bereich Prävention und Beratung würden weiterentwickelt. Zur Sicherung der vorhandenen pflegerischen Infrastruktur würden mit den Einrichtungen und Diensten gemeinsam Lösungsansätze in Gremien und Arbeitsgruppen wie in der Regionalen Pflegekonferenz am 23. April erörtert.
Zum Bericht
Der kommunale Datenreport analysiert die Pflegelandschaft im Landkreis SÜW hinsichtlich Infrastruktur und Struktur der Nutzenden pflegerischer Angebote. Die Infrastrukturdaten basieren auf einer Befragung der Pflegeleistungsanbieter sowie Betreuungs- und Hauswirtschaftsdienste. Die Nutzerstruktur wird alle zwei Jahre anhand der amtlichen Pflegestatistik erfasst. Die vorliegenden Daten beziehen sich auf den Stichtag 15. Dezember 2023 beziehungsweise 31. Dezember 2023. Der Datenreport ist online abrufbar unter www.suedliche-weinstrasse.de/datenreport2025.
Viele Informationen rund ums selbstbestimmte Leben im Alter stellt das Referat Demografie der Kreisverwaltung unter www.suedliche-weinstrasse.de/aelterwerden zur Verfügung.