
„Wir wollen, dass an der Südlichen Weinstraße alle dazugehören und die Möglichkeit haben, sich mit jemandem auszutauschen“, so Landrat Dietmar Seefeldt. Die Projektphase sei für „Gut leben im Alter“ ein wichtiger Grundstein gewesen. „Nach abschließender Evaluation steht fest: Nicht nur das im Projekt entstandene Telefonangebot ‚Silberruf‘ wird dank engagierter Ehrenamtlicher weiter fortgeführt. Auch das Netzwerk aus fachlich kompetenten und persönlich engagierten Mitgliedern wollen wir erhalten, künftig mit eigenen personellen und finanziellen Mitteln“, berichtet Seefeldt. Die Themen, die das Netzwerk in Zukunft bearbeiten wird, sollen jedoch mit neuen Schwerpunkten versehen werden. Unter anderem sollen verstärkt örtliche Hilfestrukturen in den Gemeinden in den Blick genommen und aufgebaut werden. Neue Ideen sind zum Beispiel: Männerfrühstück, Boule spielen, Nachbarschaftshilfen oder Fahrdienste.
Blick zurück
Zu den Zielen des Vorhabens gehörte unter anderem, Strukturen aufzubauen, die präventive Angebote auf lokaler Ebene für ein selbstbestimmtes Leben im Alter entwickeln, Gesprächsangebote sowie präventive Angebote aufzubauen sowie solche zu vermitteln. Der Austausch mit anderen Menschen und Zusammensein in geselliger Runde tun gut und beeinflussen positiv Gesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden. Damit sollten insbesondere ältere Menschen unterstützt werden, die alleine leben und die weniger Kontaktmöglichkeiten haben, zum Beispiel bei Mobilitätseinschränkungen. Beantragt hat die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße Fördermittel im Dezember 2020. Im Mai 2021 startete die Förderperiode.
„Silberruf“ etabliert
Als zentrale Maßnahme entstand das kostenlose Telefon-Angebot „Silberruf“. Unter der Rufnummer 0800 500 50 20 stehen seit Jahren regelmäßig ehrenamtliche, geschulte Personen, sogenannte Zeitschenker, am Telefon zur Verfügung, damit Ältere anrufen und über alles sprechen können, was ihnen auf dem Herzen liegt. Vier Mal die Woche gehen die geschulten Ehrenamtlichen dran und freuen sich über Anrufe von allen, die ein bisschen plaudern wollen. Und zwar ganzjährig montags, freitags und sonntags zwischen 18 Uhr und 20 Uhr sowie dienstags von 9 Uhr bis 11 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet, mit der Möglichkeit, eine Nachricht für einen Rückruf zu hinterlassen. Die Ehrenamtlichen vermitteln bei etwaigen Sorgen oder Nöten Unterstützung oder informieren, wo es weitere Angebote im Landkreis gibt. Das „Silberruf“-Angebot besteht auch an Feiertagen.
Das Angebot wird ab sofort auch bei Seniorennachmittagen und anderen Veranstaltungen von den ehrenamtlichen Zeitschenkerinnen und Zeitschenkern vorgestellt. Interessierte, die die Zeitschenker zu einem solchen Anlass einladen wollen, können sich bei Regina Klein vom Referat Demografie der Kreisverwaltung melden, Telefon: 06341 940-653, E-Mail: regina.klein@suedliche-weinstrasse.de.
Ergebnisse des Projekts evaluiert
Damit die Erfahrungen und Anregungen aus dem gesamten Landkreis einfließen können, hat das Projektteam ein Netzwerk aus Personen, die Expertise aus der Seniorenarbeit, der Verwaltung und dem Ehrenamt mitbringen, ins Leben gerufen. Diese Netzwerkgruppe hat aktuell gemeinsam mit dem Referat Demografie der Kreisverwaltung und dem Programmträger den Entwicklungsstand und das Ergebnis des Modellprojekts evaluiert. Die Ehrenamtlichen, sowohl aktive als auch ehemalige, wurden mittels Fragebogen um ihre dezidierte Einschätzung gebeten. Zu den zentralen Erkenntnissen gehören folgende Aspekte: „Gut leben im Alter“ wird als bedeutend für den Landkreis angesehen und sollte fortgeführt werden. Das kostenlose Telefon-Angebot „Silberruf“ ist ein wichtiger Baustein für kontaktsuchende Seniorinnen und Senioren. Dieses Instrument sollte ebenfalls fortgeführt werden, wobei der Bekanntheitsgrad weiter zu erhöhen ist – wie dargestellt ist bereits geplant, dass die Zeitschenkerinnen und Zeitschenker künftig bei Seniorennachmittagen und vergleichbaren Veranstaltungen das Angebot vorstellen. Die Personen, die sich bei „Silberruf“ ehrenamtlich engagieren, bekunden, dass sie auch selbst einen Gewinn aus ihrem Einsatz ziehen. Dies gilt auch für diejenigen, die sich im begleitenden Netzwerk für das Thema „Gut leben im Alter“ einsetzen. Sie konnten ihre Kompetenzen stärken, sich wirksam einbringen und fühlten sich hinsichtlich Einsamkeit sensibilisiert.
Die Evaluation des Projekts hat allerdings auch gezeigt, dass es noch Teilbereiche mit Entwicklungspotenzial gibt, zum Beispiel könnten und sollten noch weitere Angebote für ein selbstständiges Leben im Alter entstehen und neue Initiativen in den Orts- und Verbandsgemeinden starten.
Finanziell gefördert wurde das Projekt von den Krankenkassen beziehungsweise Krankenkassenverbänden des Landes Rheinland-Pfalz nach § 20a SGB V im Rahmen ihrer Aufgaben zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten. Ein sogenannter kommunaler Programmträger, Harald-Nier-Consulting, aus Waghäusel, hat die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung im Projekt fortlaufend unterstützt.
